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Samstag, 11. Mai: Start kurz nach acht am Autohof Hengersberg. Leiches Chaos bis die Reihenfolge der Lkw stimmt, dann rollt der Konvoi in Richtung Alpen. Bewaldete, satt grüne Berglandschaft, unterbrochen von hoher Tunneldichte. Mäßiges Wetter, regenerisch, 10 Grad. Um 12 Uhr sind wir auf bis zu 870 Höhenmetern. Schlagermusik auf Radio Steiermark. Von Graz aus reibungsloses Rüberrauschen nach Slowenien. Sehr schöne Fahrt über Landstraße, auch hier bestimmt ein sattes Grün die hügelige Landschaft, die Häuser liegen verstreut, oft mit kleinen Ställen und Feldern auf dem Grundstück. Fast südenglisches Flair, Menschen sieht man kaum. 16 Uhr, Mirko ist müde, will, dass ich fahre. Besser nicht.

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Warten und Schleichfahrt an der Grenze zu Kroatien. Die Fahrer Klaus und Kurt ignorieren die Anweisungen von Logistikchef Holger Bade und fahren über eine rote Ampel an der Zollstation. Großes Geschrei, ein bissiger Zöllner droht mit je 500 Euro Strafe (letzes Jahr an selber Stelle wäre fast eine einmalige Zahlung von 1000 Euro wegen einer angelassenen Warnleuchte für Mirko fällig geworden.) Die EU und Schengen sind vorbei, der Balkan beginnt. Entsprechend zäh gestalten sich fortan die Zollformalitäten. Der Grenzspediteur in dem schmucklosen Containergebäude müht sich in seinem wabenartigen Büroabteil durch die Flut an Papierkram für die Ladung der elf Brummis. Geduldiges Warten ist das Gebot der kommenden geschätzten sechs Stunden. Rumstehen, Reden, Rumsitzen, Lesen, noch ein Automatenkaffee. Die andere Seite der Truckeridylle, für viele normaler Alltag. Die Planung ist dahin, die Willkommensparty in der „Pansion Winnetou“ (sic) beim Städtchen Gospic mit den bosnisch-kroatischen Motorradfahrern der Eurobiker fällt dem Amtsschimmel zum Opfer. Tourchef Hermann Munzel begegnet derartigen Widrigkeiten nach über zehn Jahren Organisationserfahrung  mit Spendenkonvois nach Osteuropa inzwischen mit einer Mischung aus Engelsgeduld, Einfühlungsvermögen und stoischer Beharrlichkeit. Am Telefon wird umorganisiert. Dann heißt es am späteren Abend schließlich doch Aufsitzen zur Nachtfahrt Richtung Raststätte Gospic. Ankunft gegen Mitternacht, Parkplatzparty unter Mondschein: Die Eurobiker bringen fantastischen Balkan-Food (Hähnchen im Käse-Speckmantel, Lammkeulen, eingelegtes Gemüse). Dazu Bier und Schnäppschen, Entschädigung für die Strapazen des Tages. Truckerromantik reloaded.

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